- Breeze Liu wurde Opfer eines kompromittierenden Videos, das ohne ihre Zustimmung im Internet verbreitet wurde. Liu kämpfte jahrelang, um etwa 400 nicht einvernehmliche Bilder und Videos aus dem Netz zu entfernen. Sie gründete das Unternehmen Alecto AI, um gegen digitalen Missbrauch vorzugehen und traf auf erhebliche bürokratische Hürden bei großen Technologieunternehmen wie Microsoft. Liu und ihre Mitgründerin Powell stießen auf Schwierigkeiten, internationale Unterstützung zu erhalten, um die Inhalte zu entfernen. Trotz einiger Erfolge verdeutlicht der Fall Liu die großen Herausforderungen, denen Opfer von digitaler Gewalt gegenüberstehen.
Das persönliche Desaster von Breeze Liu begann mit einem simplen Anruf. Im April 2020 informierte ein ehemaliger Kommilitone sie darüber, dass ein kompromittierendes Video unter dem Titel „Korean teen“ im Netz kursierte. Das Video, heimlich aufgenommen, als Liu 17 Jahre alt war, wurde ohne ihr Einverständnis hochgeladen. Schon bald verbreitete sich dieser Inhalt unkontrolliert im Internet, was Liu in eine tiefe Krise stürzte. „Ich hatte ernsthaft mit Selbstmordgedanken zu kämpfen“, offenbarte sie. Die schier endlose Aufgabe, etwa 400 nicht einvernehmliche Bilder und Videos aus dem Netz zu tilgen, erstreckte sich über Jahre und Kontinente.
Herausforderung der digitalen Plattformen
Während dieser Zeit wandelte sich Lius Karriereweg bemerkenswert. Vom Wagniskapital-Analysten wurde sie zur Gründerin eines eigenen Unternehmens gegen digitalen Missbrauch. Doch selbst als sie ihre eigenen Inhalte entfernte, stieß sie auf undurchdringliche Mauern der Bürokratie bei einem der größten Internetunternehmen: Microsoft. Während andere Firmen prompt reagierten und viele der kompromittierenden Inhalte löschten, brauchte Microsoft nach Lius Aussage eine direkte Konfrontation auf einer Content-Moderationskonferenz, um zur Tat zu schreiten. Dieses langwierige Verfahren verdeutlicht die enormen Schwierigkeiten, denen Opfer intimer Bildmissbräuche gegenüberstehen.
Der verzweifelte Kampf um Unterstützung
Erschwerend kam hinzu, dass Liu bei ihrem Versuch, die Bilder zu entfernen, zwischen Organisationen hin- und hergerissen wurde. Weil sie in den Aufnahmen minderjährig erschien, konnten einige US-amerikanische Organisationen nicht intervenieren. Selbst der Kontakt mit Strafverfolgungsbehörden blieb fruchtlos, da die Ermittler nicht genügend Informationen hatten, um die Verantwortlichen zu fassen. Nach Monaten zermürbender Ermittlungen und persönlichen Herausforderungen entschloss sich Liu, das Ganze ruhen zu lassen, zumindest vorübergehend. Schließlich legte sie neue Energie in ihr Start-up Alecto AI, um mithilfe von Gesichtserkennungstechnologien ähnliche Vorfälle zu bekämpfen.
Mit Unterstützung ihrer Mitgründerin Andrea Powell nahm Liu Ende 2023 den Kampf wieder auf. Sie kontaktierten eine britische Forschungsstelle, die bereits existierende Links zu Liu’s Bildern identifizierte. Doch als sie erkannten, dass auch diese Institution nicht die notwendigen Schritte zu Unterlassungen im Ausland unternehmen konnte, fühlten sie sich erneut im Stich gelassen.
Der späte Durchbruch
Erst in einem kühnen Manöver, das direkt bei der Vertrauens- und Sicherheitskonferenz TrustCon in San Francisco stattfand, gelang es Liu und Powell, die Dringlichkeit ihrer Situation einem Mitarbeiter von Microsoft zu schildern. Innerhalb weniger Tage begann das Unternehmen endlich mit der Entfernung der kompromittierenden Inhalte. Diese Erlebnisse offenbaren nicht nur den komplexen Mechanismus, mit dem sich betroffene Individuen auseinandersetzen müssen, sondern auch die oft unzureichende Reaktion großer Technologieunternehmen.
Der Fall Liu illustriert eindrucksvoll die strukturellen Probleme und Hürden, die bei der Entfernung nicht einvernehmlicher Inhalte immer noch bestehen. Trotz einzelner Fortschritte bleibt die Anpassung der Unternehmensrichtlinien und die Schaffung effektiver Kommunikationswege eine der dringendsten Herausforderungen, um Opfer von digitaler Gewalt besser zu unterstützen und zu schützen.