- Splitgate 2 setzt verstärkt auf neue Modi, was den ursprünglichen Charme verwässern könnte. Das Spiel strebt ein umfassendes Live-Service-Erlebnis an, verliert dabei aber an schlichter Eleganz. Einige neue Modi entfremden sich deutlich vom klassischen Portal-Shooter-Konzept. Die Vielfalt der Inhalte könnte sowohl die Spielerbindung erhöhen als auch die Qualität einzelner Elemente beeinträchtigen. Der Titel befindet sich noch in der Entwicklung und eine offene Alpha bietet Spielern erste Einblicke.
„Halo mit Portalen“ – als Elevator Pitch für einen Shooter klingt das beinahe makellos. Genau das verhalf dem Multiplayer-Hit von 1047 Games vor einigen Jahren zu Durchbruch und machte die Ankündigung eines Nachfolgers so mit Spannung erwartet. Als ich kürzlich die Gelegenheit erhielt, die Alpha-Version von Splitgate 2 zu testen, war die Neugier groß, was es Neues zu bieten haben könnte. Die Erfolgsformel des Originals ist weiterhin präsent, doch der zweite Teil setzt kompromisslos auf neue Modi, die womöglich den eigenständigen Charme der Serie verwässern könnten.
Derzeit wirkt es, als könnte Splitgate 2 an seiner eigenen Ambition scheitern. 1047 Games strebt ein umfassendes Live-Service-Spiel an, das vor Vielfalt strotzt, doch geht dabei die schlichte Eleganz des Portal-Shooters verloren. Auch wenn das klassische 4v4-Format weiterhin überzeugt, führten viele der neuen Modi, die ich erlebte, die Portal-Mechanik mehr zwangsweise ein oder entwerteten ihre Bedeutung. Dies könnte jenen einzigartigen Reiz, der Splitgate ursprünglich auszeichnete, gefährden und es im unvorhersehbaren Live-Service-Markt schwer verkäuflich machen, obwohl gerade der umfangreiche Inhalt hier Abhilfe schaffen soll.
Veränderung als zweischneidiges Schwert
Vor meinem praktischen Einblick hatte ich ein Gespräch mit Ian Proulx, dem CEO und Mitgründer von 1047 Games, über die bedeutendsten Verbesserungen an Splitgate 2. Er betonte mehrmals, dass die größere Abwechslung an Inhalten Spielern langfristig erhalten bleiben könne. „Mit Splitgate war es unglaublich unterhaltsam und einfach, aber es mangelte an Abwechslung und Ausdauer“, erklärte Proulx. „Unsere kurzfristige Spielerbindung war stark, doch nach einigen Wochen fragten sich die Spieler, was nun noch kommen solle.“ Dieses Problem sei durch verschiedene Ansätze adressiert worden.
Nun gibt es in Splitgate 2 mehrere Fraktionen mit je acht einzigartigen Waffen, sowie zahlreiche Fortschrittssysteme, die kontinuierliche Anreize bieten. Dabei betont Proulx, dass Zufälligkeit um der Vielfalt willen gewünscht, jedoch willkürliche Zufälligkeit vermieden wird.
Neue Modi, neue Chancen?
Während meiner Hands-On-Erfahrung mit Splitgate 2 spielte ich acht verschiedene Modi. Am meisten angetan war ich von der Arena, die dem Vorbild des ersten Teils folgt: 4v4 auf eng gestalteten Karten, die den Einsatz von Portalen unterstrichen. Doch je mehr Modi ich erlebte, desto stärker nahm mein Vergnügen ab. Das Konzept „Chaos“, das Bewegungsmodifikatoren – wie stark erhöhte Geschwindigkeit – einführt, oder der „Duos“-Modus, der das Teamgefälle verändert, sind zwar innovativ, doch wichen sie zu sehr vom eigentlichen Kern des Spiels ab, dem klassischen Shooter mit Portalen. Dieses Gefühl verstärkte sich bei den neuen 8v8v8 Mehrteam-Modi, die auf gigantischen Karten stattfinden – eine beachtliche Entwicklung, doch nicht genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten.
Abschließend betrachtet, ist der Drang nach Vielfalt für Splitgate 2 Segen und Fluch zugleich. Während mehr Modi die Langzeitbindung erhöhen könnten, leidet die Qualität einzelner Elemente. Der Wunsch nach dem einfachen, aber genialen „Halo mit Portalen“-Erlebnis bleibt bestehen, ohne die Notwendigkeit des ganzen Beiwerks. Das Spiel befindet sich in der Entwicklung für PC, PS5 und Xbox Series X/S, und die Spieler können sich selbst ein Bild davon machen, indem sie an der offenen Alpha teilnehmen.